Lukas Geisseler

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Spekulation Pfäffikon

Die Region Pfäffikon SZ gilt als Erfolgs­modell des Steuer­wettbewerbs. Mein „Archiv des Steuer­wettbewerbs“ sucht nach dessen Ursachen und Wirkungen. Es trägt Informationen zum Finanz­cluster „Finance Valley Lake Pfäffikon“, so wird die Region beworben, zusammen.

Wie ist Pfäffikon perfekt? Wie wandelt es sich? Wer profitiert? Wer regiert? Was geschieht? Was polarisiert?

Das „Archiv des Steuer­wettbewerbs“ ist Ausgangs und Sammel­punkt von Investigationen zu Pfäffikon. Es lädt wichtige Personen zu Interviews und sammelt breit Informationen zu den gestellten Fragen. Hintergrund der Recherche bildet das geteilte Erscheinungs­bild des Ortes: Alte Scheunen, Bauern­häuser und die Burg am See werden als Versatz­stücke aus alten Zeiten wahrgenommen. Kontrastiert wird das Traditionelle von den mit Villen bestückten aufgeschütteten Inseln im Hurdner­wäldli sowie den Bauten der Finanz­industrie der Churer­strasse entlang.

Das Archiv sammelt und verarbeitet die Informationen zum Steuer­wettbewerb. Dabei fokussiert es auf die gesell­schaftlichen und demokratischen Auswirkungen, macht die Daten der Region an globalen Diskursen fest und öffnet den Blick auf die lokalen Debatten.

Das Archiv präsentiert während der Ausstellungs­dauer essenzielle Inhalte der Recherche und setzt sie durch die räumliche Anordnung vor Ort in ihren spezifischen Zusammenhang.

ecos office center / Business Center SZ AG
Churerstrasse 47, 8808 Pfäffikon SZ

Archiv

Ein Archiv entsteht durch das Sammeln sowie den Aspekt der Kategorisierung. Wo eine Sammlung bereits ziel­gerichtet spezifischen Inhalten oder Charakteristika von Objekten nachgeht, katalogisiert und kategorisiert der Archivar nach seinen oder vorgegebenen Kriterien die Archivalien und gibt so seinem Archivgut eine spezifische Ausrichtung.

Das Archiv ist Seziertisch der Geschichte, gesehen durch die Brille der Gegenwart. Es fungiert als Prognose­werkzeug für die Zukunft und erwächst durch die Diagnose der Vergangenheit. Es verbindet zu Verbindendes und generiert einen fokussierten Zugriff auf die Welt. Ähnlich wie Cézanne den Mont St. Victoire immer wieder in Farb­flächen aufteilte, sezierte, in Zusammen­hang brachte und in seiner subjektiven Sehweise in der jeweiligen Aktualität wiedergab, transformiert das Archiv in seiner stetigen Erweiterung die Welt zum Inhalt, die Geschichten zur Farbe und die Zusammen­hänge zur Komposition. Dies resultiert in einer Kartographie des Wissens und ermöglicht eine Struktur des Denkens. Seine Ver­dinglichung von Inhalt in lokaler Ausdehnung erzeugt Wahrheit, repräsentiert (Zeit-)Geschehen und changiert zwischen Index, Signifikant und Signifikat an sich. Als Fenster zur Welt dient es als Denk­modell in seiner eigenen materiellen Disposition. Es breitet sich räumlich aus und ist Abbild der Welt, strukturiert durch den Intellekt des Archivars. Die Strukturierung wird zur Installation, zur räumlichen Anordnung von Bedeutung und bietet Interessierten Zugang zu seiner wachsenden Struktur. Ein Archiv besitzt in diesem Kontext künstlerisches Potential, produziert es doch wie die Kunst Zusammen­hänge, bringt eigene Sicht­weisen hervor und eröffnet neue Seh- und Denk­an­ordnungen im Spiegel der Zeit.

lukas@geisseler.info

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